| 1. | Einleitung |
| 2. | Grundlagen einer Methodenlehre |
| 2.1 | Diagnose in Supervision und OE |
| 2.1.1 | Informationsgewinnung und -verarbeitung |
| 3. | Supervision |
| 3.1 | Geschichtliche Entwicklung |
| 3.2 | Ziele und Inhalte von Supervision |
| 3.3 | Formen der Supervision |
| 3.3.1 | Interne und Externe Supervision |
| 3.3.2 | Einzelsupervision |
| 3.3.3 | Gruppensupervision |
| 3.3.4 | Team-Supervision |
| 3.3.5 | Balint-Gruppen |
| 3.4 | Chancen und Grenzen der Supervision |
| Literatur |
Das Feld der Organisationsentwicklung als ein Zweig der
angewandten Sozialwissenschaften befindet sich zur Zeit im
deutschsprachigen Raum in einer rasanten Entwicklung, ebenso wie
der Bereich Supervision.
Organisationsentwicklung, vornehmlich eine Domäne der
Wirtschaft, wird zunehmend vom Non-Profit-Bereich entdeckt und
wird ein wichtiger Zweig sozialer Interventionen werden.
Die Arbeit von Supervisoren und Organisationsentwicklern hat
sich in der Praxis immer stärker angenähert. Während sich
Supervisoren früher in erster Linie als Spezialisten für
„Strukturreflexion" verstanden und Organisations- entwickler in
erster Linie als Spezialisten für „Strukturveränderung" ver-
wischen sich die Grenzen zusehends.
Das hat Folgen sowohl für die Identität der Berufsgruppen als
auch für die Auftraggeber. Letztere müssen sich zwischen zwei
Beratungsangeboten entscheiden, ohne genau zu wissen wo die
Unterschiede liegen.
Die Gründe für das Zusammenwachsen liegen zum Einen an
ökonomischen Bedingungen, zum Anderen zeigt sich, daß reine
Strukturveränderung ohne die Einbeziehung der Mitarbeiter nicht
möglich ist. Beides ist in den Beratungsansätzen programmatisch
angelegt, weshalb man sagen könnte, daß zusammenkommt, was der
Sache und dem Gegenstand der Beschäftigung entspricht, nämlich
Qualifizierung der Arbeit unter entsprechenden organisa-
torischen Bedingungen.
Mein Anliegen ist es, sowohl die Grenzen und Möglichkeiten eines
jeden Ansatzes als auch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der
beiden Ansätze aufzuzeigen.
Sozialarbeit wird häufig direkt oder indirekt als
Handlungswissenschaft definiert, da sie zu den handlungs- und
entscheidungsorientierten Berufs- feldern gehört (Possehl 1993,
S.13). Possehl zählt sie Wissenschafts- theoretisch somit nicht
zu den Grundlagenwissenschaften (wie Soziologie etc.), sondern
zu den Technologien (wie Psychotherapie etc.).
Von sozialarbeitsspezifischer Fachliteratur wird unter dem
Stichwort „problemlösender Ansatz" nahegelegt die allgemeine
Problemlösungs- forschung und Sozialarbeit zu verbinden (Possehl
1993, S.13). Das Konzept des Problemlösens liefert ein
allgemeines Modell zur Beschreibung methodischen Handelns und
wird u.a. benutzt zur Beschreibung von Beratungs- und
Interventionsprozessen in der Sozialarbeit (Possehl, ebd.).
Schritte des Grundmodells die so oder ähnlich immer wieder
genannt werden sind:
In diesem Prozeß sind zum Einen die kognitive Ebene als auch die
Ebene des konkreten Handelns miteinander verbunden. Possehl
leitet hieraus die Schlußfolgerung ab, daß eine Methodenlehre
der Sozialarbeit zwischen den beiden Komponenten Denkmethoden
und Handlungsmethoden unterscheiden muß (1993, S.15).
Denkmethoden steuern dabei die Auswahl und Gestaltung der zur
Anwendung gelangenden Handlungsmethoden, welches z.B. die
Methoden systematischer Informationsgewinnung, personzentrierte
Gesprächsführung etc. sind.
Methode als begründetes Praxisgestalten ist eine zielgerichtete
Vorgehens- weise, die einerseits konzeptbegründet und
andererseits gegenstandsadäquat sein muß.
Der Begriff Diagnose kommt aus einer Profession, die zwischen
Diagnostizierendem und Diagnostizierten unterscheidet, wobei von
einer einseitigen Beobachtung ausgegangen werden kann
(Rappe-Giesecke 1999, S. 319).>
Um das Ziel einer Beratung und das optimale Setting zu
bestimmen, besteht die Notwendigkeit Daten zu sammeln,
auszuwerten und zu einer Bewertung der Situation des
Ratsuchenden zu kommen.
Während Supervision die Diagnosephase offenläßt und gleich ein
Kontrakt über die Maßnahme geschlossen wird, kontraktiert man in
der Organisa- tionsentwicklung idealerweise nur die
Diagnosephase, und läßt noch offen, welche Maßnahme die
angemessene ist (Rappe-Giesecke 1999, S.320).
Währen Supervisionsanfragen die Diagnose des Problems zumeist
offen lassen, bieten die Ratsuchenden bei Nachfragen nach
Organisations- entwicklung Symptome oder Probleme an, deren
Ursache ihnen nicht bekannt ist und für die sie noch keine
Lösungen sehen (Rappe-Giesecke 1999, S.321).
Obwohl das Prozeßberatungsmodell das optimale Vorgehen für den
Berater ist, der bestimmte Wertvorstellungen verfolgt, wie sie
in der OE entwickelt worden sind, sind andere Beratungsmodelle
bei entsprechend vorliegenden Voraussetzungen ideal.1 Welches
Modell nun gewählt wird, hängt also auch von dem Ziel der
Beratung ab, welches man vor der Diagnose noch nicht kennen kann.
Rappe-Giesecke hält es für notwendig, um eine Diagnose
durchführen zu können, welches dieser Beratungsmodelle angezeigt
ist, Anschluß an das Ratsuchende System zu finden, da ihrer
Erfahrung nach, die Bedingungen die das Prozeßberatungsmodell
fordert, ihr in keiner Organisation begegnet sind (1999, S.321).
Eine Vorgehensweise dabei wäre, sich eine Rolle zuweisen zu
lassen, um dann bei gewachsenem Vertrauen, von der Experten- zur
Prozeßberaterrolle zu wechseln, indem die Beteiligten stärker
einbezogen werden und Verantwortung zunehmend abgegeben wird
(Rappe-Giesecke 1999, S.321).
Der Ablauf des Beratungsprozesses (nach Rappe-Giesecke)
orientiert sich an dem aus der Aktionsforschung kommenden Ablauf
von Datenerhebung-, -auswertung, -rückkopplung, und
Interventionsplan.
Während Organisationsentwicklung in der Regel die Diagnosephase
massiv ausdehnt, kürzt Supervision sie ab.
Sowohl in der Supervision als auch in der Organisationsberatung
werden Informationen durch Selbst- und Fremdbeobachtung
gewonnen. Die Berater nehmen hierbei den Standpunkt eines
Außenstehenden ein und nehmen das Verhalten der Ratsuchenden,
die Gestaltung der Räumlichkeiten etc. wahr. Sie lesen
Konzeptionen, Leitbilder, Grundsätze etc. die die Organisation
zur Verfügung stellt (Rappe-Giesecke 1999, S.326).
Eine für diese Beratungsformen charakteristische Form der
Informations- gewinnung ist die Umwelterkenntnis durch
Selbstbeobachtung (ebd.). „Die Analyse der ausgelösten Affekte,
der eigenen Gegenübertragung, die Analyse von
Spiegelungsphänomenen dienen SupervisorInnen dazu zu verstehen,
was Ratsuchenden passiert" (Rappe-Giesecke 1999, S.326). Geht es
allerdings um Subsysteme von Organisationen, so ist hier die
Selbstanalyse des Beratungssystems als Spiegel sozialer
Strukturen des ratsuchenden Systems dienlich.
Im Gegensatz zum Experten- bzw. Arzt-Modell, wo die
Informations- gewinnung und -verarbeitung ein individueller
Wahrnehmungs-Verarbei- tungs-Prozeß im Berater ist, wird sie
beim Prozeßberatungsmodell als soziale Informationsgewinnung und
-verarbeitung organisiert (Rappe-Giesecke 1999, S.326).
Im anglo-amerikanischen Sprachraum heißt Supervision wörtlich
(Ober)Aufsicht, Beaufsichtigung und der Supervisor ist der
Vorgesetzte, Aufseher. In amerikanischen Organisationen hat der
Supervisor die Aufgabe, seinen Untergebenen Aufträge zu
erteilen, ihre Arbeit zu beaufsichtigen und ihre Produktivität
zu beurteilen. Er ist ein Vorgesetzter im mittleren Management
(Belardi 1996, S.34).
Bei einer Herleitung aus dem Lateinischen kommt man zu einer
anderen Bedeutung. Hier bedeutet „super" etwa „oben/darüber" und
„visio" meint soviel wie „Sehen", „Anblick", „Erscheinung".
Während Belardi dies in Einklang bringen kann und für ihn
Supervision zum Gesamtüberblick der sozialpädagogischen
Berufsvollzügen wird (1996, S.34) hält Scobel die Lateinische
Herleitung für unzulässig, da sie Entstehungs- und
Kontexthorizont außer Acht läßt (1989, S.12).
Allerdings ist der deutsche Gebrauch des amerikanischen Terminus
„Supervision" mißverständlich, da Vorgesetzten- und
Supervisoren-Tätigkeit bei uns weitgehend getrennt sind.
Ihren Ausgangspunkt nimmt die Entwicklung der Supervision in
England und den USA, wo sie sehr stark mit der Entwicklung der
Sozialarbeit verknüpft ist.
Das soziale Elend wuchs aufgrund der harten Arbeitsbedingungen
in Folge der Industrialisierung. Gleichzeitig entstanden aber
auch freiwillige Wohlfahrtsangebote des Bürgertums (Belardi
1996, S.19). So bot das englische Pfarrehepaar Barnett seit 1873
Hilfe zur Selbsthilfe und setzten seit 1883 junge
Universitätsabsolventen für helfende Aktivitäten ein. Pfarrer
Barnett begann jeden dieser Helfer einmal wöchentlich zu einem
halb- stündigem Gespräch zu bitten, um mit ihm „soziale und
sozialpädagogische Fragen zu besprechen" und ihn zu beraten
(Müller zit. n. Belardi 1996). Dieser englische Vorläufer wurde
in den Vereinigten Staaten institutionell weiterentwickelt.
Hier erkannte die ehemalige Buchhalterin der 1871 gegründeten
„Charity Organization Society" (C.O.S.) die organisatorischen
Schwächen der bis- herigen unsystematisch verteilten Mittel für
die Armen. In ihrem 1917 erschienenen Buch „Social Diagnosis"
begründete sie die soziale Einzelhilfe, in der sie der
Ermittlungstätigkeit der Sozialarbeiter einen großen Raum gibt.
Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter klärten vor jeder
Almosenvergabe die Frage, warum die Betreffenden nicht in der
Lage sind, ihren Lebensunterhalt selber zu erwirtschaften. Jeder
hauptamtliche war dabei für eine große Anzahl von ehrenamtlichen
zuständig, woraus der Vorläufer des Supervisors entstand.
(Belardi 1996, S.19f.).
Diese amerikanische Supervision hat man in Deutschland vor allem
in den 50er und 70er Jahren auf Basis unterschiedlicher
psychologischer Ansätze aufgenommen, weiterentwickelt und ihren
organisatorischen Ansatz eher ignoriert. Im August 1952 hielt
Eduard Hapke einen Vortrag über die amerikanische Supervision
vor dem „Niedersachsenkreis" der „Gilde Soziale Arbeit". Dieser
Vortrag ist in konzeptioneller Weise richtungsweisend für die
Supervision in Deutschland. (Belardi 1996).
Mit Hilfe der Supervision sollten die Sozialarbeiter zu einem
professionellem Verhältnis ihren Klienten gegenüber gelangen.
Allerdings kam in Deutsch- land die enge Kooperation von
Einzelhilfe und Supervision nicht in dem Maße zustande wie in
den USA.
Das heute vorherrschende Modell der organisationsexternen
Supervisoren entstand durch die 1969 unter der Regie von Louis
Lowy entstandenen Zusatzausbildungen in Supervision bei der
Akademie für Jugendfragen in Münster/Westfalen sowie der
Supervisionsausbildung an der katholischen Fachhochschule
Nordrhein-Westfalen (Belardi 1996, S.28).
Schließlich kam es 1989 zur Gründung der „Deutschen Gesellschaft
für Supervision" (DGSv) in Köln. Dieser sind inzwischen mehr als
20 Ausbil- dungsinstitute angeschlossen, die aus
unterschiedlichsten Zusammenhängen entstanden sind.
Bei der Supervision handelt es sich um einen arbeitsbezogenen
Lehr- und Lernprozeß berufsspezifischer Art in dem der
Supervisand beruflich und persönlich befähigt werden soll, die
Probleme und möglichen Konflikte um zwischenmenschlichen Bezug
wahrzunehmen, optimal anzugehen, zu bewältigen und zu lösen.
„Supervision ist eine Beratungsmethode, die zur Sicherung und
Verbesserung der Qualität beruflicher Arbeit eingesetzt wird.
Supervision bezieht sich dabei auf psychische, soziale und
institutionelle Faktoren [...] Supervision unterstützt
Supervision zielt darauf ab, den Berufsausübenden zu
integriertem beruflichen Handeln zu befähigen, d.h. seine
berufliche Kompetenz mit den Aufgaben der Praxis in Einklang zu
bringen. Hierbei erfolgt eine Umsetzung von zufälligem Handeln
in bewußtes Handeln durch verfügbare Praxistheorien und
Kenntnisse über die eigene Person. Dies setzt voraus, daß
Supervision die Entwicklung der Fähigkeit zu reflektiertem
beruflichen Handeln berücksichtigt.
So sieht denn auch Scobel sowohl Introspektion und Selbstöffnung
als auch die Selbstreflektierende Analyse des eigenen
beruflichen Handelns als Ziele der Supervision. Als drittes Ziel
nennt er die Auseinandersetzung sowohl mit der eigenen Person
als auch mit den anderen Supervisanden und dem Leiter der Gruppe
(1989, S. 16).
Die Supervision erhält „ihre spezifische Gestalt durch
verschiedene, zugrunde gelegte Konzepte, die jeweiligen
Anwendungsfelder und die professionelle Position der
Supervisorin oder des Supervisors" (Gotthard-Lorenz 1999, S.
62). Wesentliche Faktoren bei der praktischen Ausgestaltung des
Supervisionsprozesses sind die Konzepteinflüsse in denen die
SupervisorInnen sozialisiert sind (Gotthard-Lorenz 1999, S. 62).
Diese Supervisionskonzepte beschreiben, wie in ihrem Rahmen in
spezifischer Weise die Methode Supervision gestaltet wird.
Belardi hält diesen Aspekt für überbewertet, da erfahrene
Berater sich nicht so eng an ihre gelernten Konzeptionen halten.
Es besteht immer ein Unterschied zwischen den in der Literatur
beschriebenen Methoden und der persönlichen Ausübung, die sich
zumeist darin zeigt, daß die Berater Methodenplural oder
-integrativ arbeiten (1996, S.99).
Eine Ausführliche Darstellung dieser Supervisionskonzepte würde
den hier gegebenen Rahmen sprengen. Benennen möchte ich hier das
Balintgruppen- konzept (entwickelt von Michael Balint 1976,
s.u.), das Konzept der Integrativen Supervision (begründet von
H. Petzold, s.u.) oder der Konzeptentwurf
Organisationspsychologie von Gotthardt-Lorenz (1997).
Aus dem geschichtlichen Ursprung der Supervision heraus, lassen
sich zwei unterschiedliche Positionen des Supervisors ausmachen.
War bis in die 60er Jahre das amerikanische Modell
vorherrschend, wo der Supervisor auch Vorgesetzter mit
Weisungsbefugnis war, so hat sich im Laufe der Zeit der externe
Supervisor immer mehr durchgesetzt und professionalisiert (Pühl
1999b, S.128).
Die organisationsexterne Supervision folgt einem allgemeinen
gesellschaftlichen Trend der Delegation von Spezialaufgaben an
außenstehende Dienstleister. Die organisationsinterne
Supervision knüpft dagegen an die amerikanische Praxis an. Zum
Zwecke berufsbezogener Supervision wird ein spezialisierter
Fach- mann auf eine Planstelle in der Organisation gesetzt
(Belardi, S.36).
Die externen Supervisoren haben den Vorteil, daß sie nicht in
die Hierarchie der Institution eingebunden sind, weshalb die
Supervisanden eher ein Vertrauensverhältnis zu ihnen und
untereinander entwickeln können (Belardi, S.36). Sind
Organisationsprobleme Ursache des Supervisions- auftrags oder
der neutrale, unbefangene Blick von außen bei der Klärung von
Teamkonflikten, Leitungskonflikten oder Konflikten zwischen
Leitung und Team nötig, ist die organisationsexterne Supervision
der internen überlegen (Pühl 1999b, S.129).
Nach Belardi sind „naturgemäß" die Vorbehalte und Widerstände
der Supervisanden gegen über organisationsinterne Supervisoren
größer. Streitigkeiten im Team oder persönliche Verstrickungen
kommen eventuell weniger zur Sprache. Ferner ist leichter die
Gefahr gegeben, daß die persönliche, berufliche und
organisatorische Ebene zu sehr vermischt werden, weil man auf
Grund von Äußerungen berufliche Nachteile zu befürchten glaubt.
Andererseits sind bei der organisationsinternen Supervision
„alle Beteiligten über innerbetriebliche Vorgänge informiert."
(Belardi, S.36f.).
Interne Berater haben ein großes Wissen über die
Organisationsgeschichte und -dynamik, was ihnen erleichtert
Vorbehalte, Mißtrauen und Ablehnung leichter zu
überwinden."(Pühl, S.131).
Um die Nachteile einer durch Vorgesetzte geleiteten Supervision
zu verringern, gehen größere Organisationen dazu über, Stellen
für organisationsinterne Supervisoren zu schaffen, die sich
nicht im direkten Vorgesetztenverhältnis befinden, sondern
praktisch und stellenmäßig „daneben" (Stabsstelle). Super-
visoren in Stabsfunktion kennen die Einrichtung, die
Klientelgruppen und die Arbeitsprobleme des Personals oft besser
als externe Supervisoren. Zudem haben sie es aufgrund ihrer
Stabsstelle leichter, Vertrauen zu erwerben als Vorgesetzte, die
auch Supervisonsfunktionen ausüben (Belardi 1999, S.37)
Bei der Einzelsupervision handelt es sich um eine
Beratungssituation zwischen einem einzelnen Mitarbeiter und dem
Supervisor. Teilnehmer der Einzelsupervision können alle
Mitarbeiter sein, die motiviert sind aufgrund persönlicher
Probleme im beruflichen Handeln Einzelsupervision zu nehmen.
Personen die berufsmüde geworden sind (Burn-out) oder zum
Gegenstand von Diskriminierungsprozessen wurden (Mobbing-Opfer)
können in der Supervision Hilfe und Klärung erhalten (Belardi
1996, S. 100). Häufiger kommt es vor, daß Leiter eine
zusätzliche Beratung wünschen, da oftmals die Rollenvorgaben und
Führungskompetenzen nicht klar definiert sind (Belardi 1996, S.
100f.).
Ziele der Einzelsupervision sind u.a. die Supervisanden
sensibler, aufmerksamer werden zu lassen für das, was bewußt und
unbewußt in ihrem Gefühlsbereich und dem ihrer Klienten /
Kollegen etc. vor sich geht.
Innerhalb der Zweierbeziehung einer Einzelsupervision kann sich
der Supervisor voll auf den Supervisanden einstellen und ihm
seine ganze Aufmerksamkeit widmen. Hierdurch wird es möglich,
persönliche Anteile an den beruflichen Schwierigkeiten besser
herauszuarbeiten.
Gruppensupervision ist eine Form der Beratung in Gruppen in der
die Gruppenmitglieder ihre Erfahrungen und Probleme im
beruflichen Handeln in bezug auf Klientel, Mitarbeiter und
Organisation vor der gesamten Gruppe besprechen und mit dem
Supervisor bearbeiten, um so befähigt zu werden, besser und
zielgerechter beruflich zu handeln. Die Gruppensupervision
bietet die Möglichkeit, das berufliche Handeln in seiner
Verbindung zu Haltungen, Einstellungen jedes einzelnen
Teilnehmers einzugeben und zu reflektieren.
Im Unterschied zur Teamsupervision ist die Gruppensupervision
eine Gruppenberatung mit Mitgliedern aus heterogenen Gruppen.
Dies gestattet dem einzelnen mehr Freiheiten in den Äußerungen,
weil ein höherer Grad an Anonymität und Schutz gewährleistet ist
(Belardi 1996, S.106).
Neben den Zielen der Einzelsupervision will die
Gruppensupervision durch Gruppenerfahrungen neue
Verhaltensänderungen möglich werden lassen und
Veränderungsprozesse überprüfbar machen, sowie eigene
Verhaltensmuster in bezug auf Kommunikation und Kooperation
erkennen lassen und gegebenenfalls Motivation zur Veränderung
entwickeln (Belardi 1996).
Teamsupervision ist eine spezielle Form der Gruppensupervision
mit homogenen Gruppen, also z.B. Arbeitsteams, die in einem
Bereich einer Ein- richtung eng miteinander zusammenarbeiten.
Gerade bei interdisziplinär bzw. multiprofessionell
zusammengesetzten Arbeitsgruppen ist Teamarbeit notwendig.
Pühl unterscheidet zwischen Fall-Supervision und
Team-Supervision. In der Fall-Supervision sieht er die
Helfer-Klienten-Beziehung im Vordergrund. Die Teamsupervision
meint eine Untersuchung und Veränderung der Kooperation und der
damit zusammenhängenden Teamstrukturen. (1999b, S.123)
Nach Belardi darf dabei die Klärung von Beziehungen und internen
Auseinandersetzungen nicht soweit gehen, daß das Team soweit
zerstritten ist, daß es nicht mehr zusammenarbeiten möchte und
die Supervision infolgedessen scheitert (1996, S. 117).
Typische Anlässe und Themen bei der Nachfrage nach
Teamsupervision sind beispielsweise:
Grenzen der Teamsupervision ergeben sich dort, wo sie zur
Kontrolle der Mitarbeiter wird, wenn ihr therapeutische Aufgaben
zugeschrieben werden oder institutionelle Strukturkonflikte
vorliegen.
Bei den Balint-Gruppen handelt es sich um eine besondere Form
der Gruppen- supervision die ursprünglich aus dem Bereich der
Weiterbildung psychothera- peutisch orientierter Ärzte kommt
(Belardi 1996, S. 113). Aus dieser Tradition heraus findet sich
diese Form der Supervision häufiger im Bereich der Medizin und
der medizinischen Gesundheitspflege.
Professionelle Helfer die beruflich unabhängig voneinander sind
besprechen fallbezogen ihre Arbeitsprobleme, wobei jeweils ein
Mitglied über die persönlichen Eindrücke, Gefühle,
Schwierigkeiten und Einstellungen zur Betreuung eines bestimmten
Patienten berichtet (Scobel 1989, S.15).
Es handelt sich um eine Form des Lernens, bei der es um die
Erforschung und Transparenz der beruflichen Beziehung geht. Ziel
ist es die Mitglieder der Gruppe für den Umgang mit Menschen
auszubilden. Belardi beschreibt die Balintgruppenarbeit als eine
besondere Form der Beziehungsdiagnostik auf
tiefenpsychologischem Hintergrund (1996, S.114). Bei dieser Form
des Erfahrens geht es auch und besonders um das Erkennen von
Übertragung/Ge- genübertragung, Abwehr und Widerstand und deren
Bedeutung für die beruflichen Beziehungen.
Die erfolgreiche und regelmäßige Durchführung der Supervision
ist an eine Reihe von Bedingungen gebunden.
Grundvoraussetzung ist, daß Supervision als Lehr- und Lernprozeß
zu besserem beruflichen Handeln bejaht und anerkannt wird. Der
einzelne muß seine Motivation und Bereitschaft in der
Supervision, die eigenen Aktionen, Reaktionen, Einstellungen und
Haltungen zu reflektieren bzw. zu modifizieren, mitteilen.
Die Erwartungen und Ziele der Organisation und des Supervisors
sind den Supervisanden transparent zu machen. Sie sind über
Möglichkeiten und Grenzen des Supervisionskonzeptes zu
informieren.
Werden wichtige Inhalte schriftlich fixiert, werden sie
verbindlich für beide Seiten. Diese gegenseitige Vereinbarung
wird die partnerschaftliche Arbeitsform der Supervision deutlich
und durchschaubar und lädt den Supervisanden dazu ein, diese
mitzutragen.
Der „Erfolg" einer Supervision wird in der Regel oft erst in
größeren Zeitabständen erfahrbar. Die Mitarbeiter werden
zufriedener, ausgeglichener, teamfähiger und -bereiter. Die
Fähigkeit Kritik zu üben und anzunehmen, eigene Fehler
konstruktiv zu verarbeiten, sich selbst und seine Arbeit in
Frage zu stellen, wird verstärkt. Die persönliche Meinung kann
adäquater und angstfreier geäußert werden. Insgesamt wird eine
konstruktive Einstellungs- änderung gegenüber sich selbst, dem
Klienten und der Einrichtung bewirkt.
Die Mitarbeiter werden dadurch auch befähigt, länger und
effektiver in einer Einrichtung zu arbeiten (Vermeidung von
burn-out etc.).
Trotz vieler Vorteile der Hilfestellung im partnerschaftlichen
Lernprozeß hat Supervision ihre Grenzen, die durch die Struktur
der Institution, die Person des Supervisanden und die Person des
Supervisors gesetzt werden.
Bei fehlender Motivation oder mangelndem Bedürfnis nach
Supervision muß diese erfolglos bleiben. Eine Gefahr ist, daß
das Ausmaß persönlicher Schwierigkeiten den Rahmen von
Supervision überschreitet und dadurch die berufliche
Auseinandersetzung verhindert. Ferner beeinträchtigen nicht
artikulierte Erwartungen, Vorstellungen und Bedürfnisse die
Supervision.
Eine Mangelnde Fachkompetenz des Supervisors beeinträchtigt die
Supervision. Wenn die angewandten Methoden und Techniken nicht
auf den Personenkreis der Supervisionsgruppe bzw. den einzelnen
Supervisanden abgestimmt sind, eine nur ungenügende Auswahl
geeigneter Mittel verfügbar ist, so grenzt dies die Supervision
ein.
| Baumgartner, I; [u.a.] : | OE-Prozesse : die Prinzipien systemischer Organisati- onsentwicklung; ein Handbuch für Beratende, Gestaltende, Betroffene, Neugierige und OE-Entdeckende. - 5. unveränd. Aufl. - Bern; Stuttgart; Wien: Haupt, 1998 |
| Belardi, N. : | Supervision : eine Einführung für soziale Berufe. - Freiburg i.Br.: Lambertus, 1996 |
| Gotthardt-Lorenz, A. : | Supervision als Methode - eine Skizze. In: Supervision und Organisationsentwicklung : Handbuch. Hrsg.: H. Pühl. - Opladen: Leske und Budrich, 1999. S.55-69. |
| Gotthardt-Lorenz, A. : | Methodische Vorgehensweise in der Organisations- supervision. In: Supervision. I. Luif. Köln, 1997. |
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| Petzold, H. G. : | Integrative Supervision, Meta-Consulting und Organisations- entwicklung : Modelle und Methoden reflexiver Praxis. Ein Handbuch. - Paderborn: Junfermann, 1998 |
| Possehl, K. : | Methoden der Sozialarbeit : theoretische Grundlagen und 15 Praxisbeispiele aus der Sozialen Einzelhilfe. - Frankfurt a.M.; [u.a.] : Lang, 1993 |
| Pühl, H. : | Organisationsentwicklung und Supervision : Konkurrenten oder zwei Seiten einer Medaille? In: Supervision und Organisationsentwicklung : Handbuch. Hrsg.: H. Pühl. - Opladen: Leske und Budrich, 1999a. S.13-19. |
| Pühl, H. : | Moderne Team-Supervision.In: Supervision und Organisationsentwicklung : Handbuch. Hrsg.: H. Pühl. - Opladen: Leske und Budrich, 1999b. S.123-144. |
| Schein, E. H. : | Organisationsberatung für die neunziger Jahre. In: Organisati- onsentwicklung für die Zukunft: ein Handbuch. Hrsg.: G. Fatzer. Köln: Ed. Humanist. Psychologie, 1999. S.405-420. (EHP-Organisation) |
| Scobel, W. A. : | Was ist Supervision ? - 2. Aufl. - Göttingen: Verl. für Med. Psychologie im Verl. Vandenhoeck u. Ruprecht, 1989 |
| Thiel, H.-U. : | Widerstand gegen Veränderungen in Supervision und Organisa- tionsberatung. In: Supervision und Organisationsentwicklung : Handbuch. Hrsg.: H. Pühl. - Opladen: Leske und Budrich, 1999. S.228-245. |